Kolumbien - schön und bedrückend

Kolumbien ist rund 28 Mal grösser als die Schweiz, hat aber nur rund 6 Mal mehr Einwohner. Wenn man in einem so grossen Land reist könnte man denken, es gebe auch unglaublich viele Möglichkeiten, um Sehenswürdigkeiten im Land zu besuchen. Durch die Topographie des Landes mit seinen Bergen und der Tatsache, dass die Reiseführer vom Besuch von einigen Gebieten dringend abraten, beschränken sich die Möglichkeiten plötzlich. Mit unseren Mädchen können wir natürlich nicht in die hintersten Ecken eines Landes Reisen, da dies einfach zu anstrengend wäre. Die Sicherheit steht an oberster Stelle und deswegen reisen wir auch nie in als unsicher eingestufte Gebiete.

 

Grundsätzlich dürfte man, wenn man nur auf die offiziellen Stellen der Schweiz hören würde, sowieso kaum nach Kolumbien reisen. Taxifahrer etc. warnten uns immer wieder vor Diebstahl und gaben uns Ratschläge, wie wir uns verhalten sollten. Tatsächlich fühlten wir uns nicht überall wohl. Am schlimmsten war wohl Medellin. Die Stadt ist bedrückend und einengend, das Atmen fällt wegen der abgasgetränkten Luft schwer und die Armut ist greifbar. Menschen leben teilweise in Hütten, in denen wir nicht einmal unsere Gartenutensilien aufbewahren würden. Jeder grössere Laden, jedes bessere Wohnhaus hat bewaffnete Wächter und gewisse Wohngebiete sind eingezäunt und bewacht.

Und wir reisen und schauen, sind bedrückt und plötzlich glücklich, jederzeit in unser Zimmer zurückkehren zu können, wenn wir wollen.

Doch wenn man die Ratschläge befolgt und mit gesundem Menschenverstand durch die Gegend geht, lebt man dennoch nicht gefährlicher als in anderen Grossstädten. Glücklicherweise wurden wir bisher von negativen Erlebnissen verschont.

Die Polizei- und Militärpräsenz im Land ist immens. Vor allem an Orten, wo sich die Touristen aufhalten wimmelt es von Polizei und Armee. Bei der einheimischen Bevölkerung und mittlerweile auch bei uns geniessen sie aber hohes Ansehen. Weshalb? Erstens geben sie ein Gefühl von Sicherheit und zweitens sind die Polizei und das Militär sehr freundlich - zu allen, nicht nur gegenüber Touristen. Selbst in Grossstädten wird man nicht selten von Uniformierten gegrüsst.

Die Polizei haben wir als „Freund und Helfer“ erlebt, als wir mit dem Taxi ein Kloster auf einem Hügel besichtigten. Da es in den Städten von Taxis wimmelt, kommt man problemlos und günstig irgendwo hin. Mit dem Rückweg sieht es dann manchmal schon etwas anders aus. Die meisten Touristen buchen ein Taxi, das während der Besichtigung wartet (natürlich gegen Bezahlung) und anschliessend wieder zurückfährt. Wir dachten, das Geld für die Wartezeit sparen wir uns und suchen ein Taxi nach unserer Besichtigung. Doch kein Taxi war verfügbar und man riet uns dringend davon ab, den 30-minütigen Fussmarsch vom Hügel hinunter in die Stadt zu machen. Ich fragte einen Polizisten, ob der Weg nach unten wirklich gefährlich sei. Seine Antwort war: „Ich begleite euch auf dem Motorrad nach unten, bis es wieder sicher ist.“ So marschierte die Familie Hermann also mit Polizeischutz eine halbe Stunde einen Hügel hinunter. Haben wir auch noch nie erlebt!

Auch lustig war es, als wir zu einem Busterminal wollten und eine mehrspurige, sehr verkehrsreiche Strasse überqueren mussten - weit und breit kein Übergang oder eine Ampel in Sicht - aber ein Polizist. Als er uns sah, fuhr er kurzerhand mit dem Motorrad quer mitten auf die Strasse und sperrte den ganzen Verkehr für uns (diesmal mit Touristen- und Kinderbonus). Dein Freund und Helfer in reinkultur.

 

Wir haben auch in Kolumbien sehr viel Schönes erlebt und gesehen. Kolumbien ist absolut eine Reise wert - wenn man mit gewissen Einschränkungen leben kann.

 

Hasta la próxima.

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